Hans Carl Leonhard Heicke
* Köln 21.11.1927 † 03.02.2008 Berlin

Der Sohn des Rennsport-Journalisten Ernst Heicke und Neffe des einzigen Jockeys, der alle klassischen Siege in ununterbrochener Folge gewinnen konnte, trug die Namen seines Urgroßvaters Carl Seibert und Großvaters Leo Printen.

Seine ersten reiterlichen Erfahrungen machte er in der vormilitärischen Ausbildung bei Rittmeister Klitzke, dem späteren Rennbahnverwalter in Köln. Dazu kamen dann zwangsläufig und kriegsbedingt tägliche Lots bei "Bas" Morawez in Köln-Niehl. In den Sommerferien, die er bei der Großmutter in Hoppegarten verbrachte, ritt er mit seinem Onkel Willi Printen auf der Idea-Bahn die Erlenhofer Pferde bei Adrian von Borcke.
1943 erlebte er dort sein erstes Derby und den letzten Ritt des legendären Jules Rastenberger auf Ovation.

Als Flaghelfer erlernte er die Kenntnisse der Dunkelführung, also das Gespür dafür, wo sich ein bewegtes Objekt wieder zeigen müsste. Nach der Entlassung aus britischer Kriegsgefangenschaft machte der siebzehnjährige Offiziersanwärter Notabitur und wurde in den Polizeidienst berufen. Aus dieser Zeit stammen sportliche Erfolge im Boxen und der Leichtathletik mit handgestoppten 10,0 auf 100m. Nach erfolgreich abgelegter Beamtenprüfung wandte er, der lieber in Aachen Jura studiert hätte, sich jedoch Tätigkeiten im Rennsport zu. Als Redakteur des Rennprogramms war er von 1948 bis 31.12.1984 für zuletzt 12 Rennvereine tätig.

In der Morgenarbeit ritt er für Kurt Deschner und Sven von Mitzlaff, die dann beide auch für seine Amateurreiterlizenz bürgten. Dankbar war er auch für das besondere Vertrauen, das ihm Ewald Meyer zu Düte entgegenbrachte, als er ihn alleine mit der klassischen Siegerin Jana nach England zur Bedeckung schickte. Dort sah er nicht nur den legendären Fred Winter bei einem Siegritt, sondern vernahm auch die dort übliche Ansage des Rennverlaufs, für deren Einführung er sich dann auch in Deutschland einsetzte und die er dann, nachdem man sich kostenmäßig mit dem ursprünglichen Kandidaten nicht einigte, übernehmen durfte. Etwa 35.000 Rennen sollten es sein, die er am Microphone begleitete. Dies interessierte dann auch Rundfunk und Fernsehen und so konnte er nach relativ kurzer Zeit seine 200. Reportage eines Galopprennens für den Rundfunk durchführen. Eine leider auch nicht ganz ungefährliche Angelegenheit, wie ein Blitzeinschlag in Köln mit ignoriertem Herzinfarkt und ein zweiter ignorierter Herzinfarkt beim Navarino-Derby als Anno und Tombos torkelten und Arcosanti wie der Sieger aussah, dokumentierten.
Zwei Derbysieger mögen ihn jedoch besonders gefreut haben, Ordos und Orofino, da er selbst mehrere Nachkommen der obengenannten Ovation im Training reiten durfte.
Durch die Rennverlaufansage kam er selbst nur selten dazu selber Rennen zu reiten. Die größte Siegchance hatte er mit der güst gebliebenen Fiorellina, doch eine Rempelei am Start brachte die Stute in Neuss völlig von den Beinen. Es war viel Boden gut zu machen und damit reichte es nur zu einer Plazierung. Den Kommentar in der Sport-Welt schrieb sein langjähriger Freund und Weggefährte Rudi Schillings.
Durch zahlreiche Stallbesprechungen kannte er die meisten Pferde schon vor dem ersten Start. Auch für Auktionskataloge war er stets ein gefragter Mitarbeiter. Hans Carl Heicke wirkte stets unauffällig hinter den Kulissen. Für gut drei Dutzend Zeitungen berichtete er unter fast ebensovielen Pseudonymen über die Geschehnisse im Galopprennsport. Oft genug hat er dabei auch Kollegen vertreten, die anderweitig gebunden waren. Gerne erinnerte er sich an den Rennbahnbesucher, der mit Blick auf den freien Presseplatz in Köln lauthals fragte, wer denn eigentlich dieser "Carl Leonhard" sei, den man nie zu Gesicht bekäme.

 Lediglich die Artikel im Vollblut erschienen unter seinem eigenen Namen. Gefreut haben ihn die Erfolge von Quijano im letzten Jahr, denn die wären ohne Abschaffung der unsinnigen Wallachklausel nicht möglich gewesen. Auch etliche andere Artikel waren stark vorausschauend orientiert und wurden seinerzeit noch nicht verstanden. Wer sich mit der Geschichte des Deutschen Rennsports befasst wird seine Spuren immer wieder finden.

Mit dem Namen Hans Carl Heicke ist auch die Wahl zum Galopper des Jahres verbunden und bei Gründung des Galopp Club Deutschland wurde er als erster Geschäftsführer bestimmt. An der Einführung des Rennbahnfernsehens war er ebenfalls maßgeblich beteiligt. Die Aufgaben als Pressesprecher des Direktoriums ließen sich irgendwann zeitlich nicht mehr mit den diversen anderen Tätigkeiten verbinden und auch wegen Kompetenzmangel der Auftraggeber nicht mehr durchführen. Von den etwa 40 ihm persönlich bekannten Geschäftsführern im Deutschen Galopprennsport waren nur eine Handvoll seiner Ansicht nach ihrem Posten gewachsen. Harald von Gustedt wurde von ihm als der wohl Beste genannt; mit Egbert von Schmidt-Pauli bestanden fast freundschaftliche Beziehungen.

Still war sein Abschied von der Hamburger Rennbahn nach seinem 25. Derby am Microphone. Still war auch sein Weggang aus Deutschland am 31.12.1984. Die Ehrennadel des Direktoriums wurde nachgereicht. Gut 20 Jahre verbrachte er in der Abgeschiedenheit und Ruhe der canarischen Berge.

Vor drei Jahren musste er wegen eines erlittenen Schlaganfalls und dadurch notwendiger familiärer Unterstützung nach Deutschland zurückkehren und wohnte in Hoppegarten im Hause seines Urgroßvaters Carl Seibert, des mit Abstand erfolgreichsten deutschen Trainers der Kaiserzeit. Viel Zeit verbrachte er im Archiv der Rennbahn, bis ihm "aus Kostengründen" der Zugang verwehrt wurde. Ein geplantes Buch über die Geschichte des Galopprennsports blieb somit unvollendet.

Daß er 2005 bei Manduro's Sieg das zukünftig weltbeste Pferd (2007) sehen durfte, versöhnte ihn mit der Tatsache, noch nie so viele schlechte Pferde an einem Renntag gesehen zu haben wie nun mal derzeit in Hoppegarten. Nach über 20 Jahren Abwesenheit fielen ihm viele Veränderungen unangenehm auf. Er bestand darauf, daß er seinerzeit "Ansage des Rennverlaufs" gemacht habe und hatte kein Verständnis für diverse Kommentare die heutzutage einfließen. Die unprofessionelle Untätigkeit der Rennleitung  und die mangelnde Disziplin mit der die Pferde zur Bahn gebracht werden waren ihm ein ständiges Ärgernis. Der Leichtsinn führt seiner Ansicht nach unvermeidlich zur Katastrophe.
Gefreut hat er sich über das Wiedersehen mit einigen Aktiven, wie zuletzt Uwe Ostmann, der sich noch allzu gut an die Zeit bei Sven von Mitzlaff erinnerte. Gefreut hat er sich auch über das Engagement von Fährhof und Schlenderhan, die seiner Ansicht nach immer wieder für Hoppegarten "Farbe gezeigt" haben. Gefreut haben ihn auch die publikumswirksamen Schimmelsiege.
Er, der jeden Jockey am Sitz erkennen konnte, beobachtete bei allen Renntage stets den Jockeynachwuchs mit kritischem Auge. So mancher der heutigen Stars wurde mit recht bissigen Bemerkungen bedacht.

Emotional berührt hat ihn in den letzten Jahren die Pferdeschau Appassionata und das letzte Rennen 2007 in Hoppegarten, als Pascal Jonathan Werning nach einem Glanzritt gewann. Vielleicht mag er gespürt haben, daß er nicht mehr zurückkehrt.

Die Aufregungen um den Erhalt der Galopprennbahn in Hoppegarten und die inkompetenten Machenschaften haben wohl mit dazu geführt, daß er den Preis dafür zahlte, daß die Medikamente zur Verhinderung eines zweiten Schlaganfalls, die ihm ein Leben bei klarem Verstand ermöglichten, letztendlich doch die allzeit befürchtete Gehirnblutung auslösten, der er kurz darauf erlag.

Wunschgemäß findet er seine letzte Ruhestätte im Kreise der Großen aus der Hochzeit des Turfs.